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Policy Brief Nr. 76: China als Konkurrent, Zulieferer und Machtakteur Empirische Belege und handelspolitische Optionen für Österreich und die Europäische Union

Gabriel Felbermayr (WIFO, WU Wien)

Kernpunkte

China ist gleichzeitig Österreichs zweitwichtigster Zulieferer, ein schnell wachsender Konkurrent und eine Quelle strategischer Abhängigkeiten. Chinas Anteil an österreichischen Warenimporten stieg von 1,7 Prozent (2002) auf 9,0 Prozent (2025). Im ersten Quartal 2026 erreichte das bilaterale Defizit im Warenhandel etwa 3,6 Milliarden Euro, also knapp unter 2,9 Prozent des BIP – rund 1 1/2 Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie.

Direkte Handelszahlen unterschätzen das Ausmaß der gegenseitigen Abhängigkeit. Was die Wertschöpfung betrifft, ist China für Österreich etwa genauso wichtig wie für die EU insgesamt; seit 2021 hat die chinesische Wertschöpfung in der österreichischen Endnachfrage (3,1 % der Wertschöpfung) die österreichische Wertschöpfung in der chinesischen Endnachfrage deutlich übertroffen (2,2 %).

Ein 'China Shock 2.0' trifft die österreichischen Schlüsselindustrien. Chinas Exportstruktur ähnelt zunehmend der österreichischen; die Gewinne am Weltmarktanteil konzentrieren sich nun auf Fahrzeuge, Metalle und Maschinen. In der WIFO-Branchenumfrage 2025 planen Unternehmen mit chinesischen Hauptkonkurrenten deutlich eher Umzüge und Stellenabbau, reagieren aber zunehmend proaktiv durch die Aufwertung ihres Produktportfolios.

Die kritischsten Abhängigkeiten liegen in den Zwischenstufen der Wertschöpfungskette (z. B. Permanentmagnete) und werden zunehmend als Druckmittel genutzt, wie sieben dokumentierte Fälle seit 2021 und Chinas Exportkontrollen für Seltene Erden zeigen.

Geoökonomische Macht entsteht aus asymmetrischen Abhängigkeiten. Sieben strategische Abhängigkeiten der EU lassen sich unterscheiden – vier sektorale (kritische Rohstoffe, Halbleiter, Energie, Pharmazeutika) und drei systemische (Zahlungsinfrastruktur, digitale Infrastruktur, maritime Logistik). 'Freiwillige' Exportbeschränkungen und eng definierte „Kaufe Europäisch“-Anforderungen sind im Allgemeinen nicht ratsam als Reaktion auf den China-Schock.

In Bezug auf die Handelspolitik wird ein gezielter, regelbasierter Ansatz anstelle pauschaler Zölle empfohlen: schnellerer und breiter definierter Handelsschutz als kurzfristige Priorität; Diversifizierung durch Handelsabkommen, Resilienzkriterien bei Beschaffung und Finanzierung und – für kritische Konsumgüter – Diversifizierungszölle; auf der offensiven Seite eine horizontale Wettbewerbs- und Innovationsagenda; in den Außenbeziehungen offene plurilaterale Handels- und Resilienzabkommen mit gleichgesinnten Partnern, enge Zusammenarbeit zwischen der EU und den Mitgliedsländern der CPTPP sowie eine Vertiefung des Binnenmarktes als wichtigstes Druckmittel der EU. Für Österreich ist die Standortpolitik die wichtigste nationale Maßnahme.

Weiterführende Informationen

Zum Policy Brief 76: China as a competitor, supplier and power player