Eröffnung Ausstellung Möbelmuseum Wien am 14.4.2026
Die neue Sonderausstellung "Made in Austria Möbeldesign 1948-1960" rückt das innovative Möbeldesign der Nachkriegszeit in den Fokus - zu sehen bis 8. Dezember 2026 im Möbelmuseum Wien.
Am Abend des 14. April 2026 feierten zahlreiche Gäste die Eröffnung der neuen Sonderausstellung "Made in Austria Möbeldesign 1948-1960" im Möbelmuseum Wien. Die von Eva B. Ottillinger (stv. Leiterin Abteilung Historische Sammlungen, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus) kuratierte Ausstellung, bringt Besucherinnen und Besucher die Wohnkultur der Fünfziger-Jahre des letzten Jahrtausends näher. Die Sonderausstellung zeigt mehr als 130 Objekte aus den Bereichen "Repräsentation der Zweiten Republik“, Mobiliar der damals aktuellen "Espresso - Kultur“ und moderne Wohnungseinrichtungen für alle.
Möbeldesign aus Architektenhand
Bereits wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich eine lebhafte österreichische Möbelkultur. Das österreichische Möbeldesign zeichnete sich durch handwerkliche Qualität, große Vielfalt der Möbelformen und gute Gestaltung auch von preisgünstigen Erzeugnissen aus. Das moderne Möbeldesign lag damals noch überwiegend in Architektenhand. In der Ausstellung sind Entwürfe der Architektinnen Anna-Lülja Praun und Margarete Schütte-Lihotzky sowie der Architekten Carl Appel, Carl Auböck (lll.), Erich Boltenstern, Max Fellerer, Oswald Haerdtl, Julius Jirasek, László Mazák, Otto Niedermoser, Oskar Payer, Roland Rainer, Oskar Riedel, Franz Schuster, Karl Schwanzer, Emil Stejnar, Hans Wölfl und Eugen Wörle zu sehen.
Starker Zusammenhalt
Der Anstoß für den Neubeginn im Möbeldesign erfolgte in den Gründungsjahren der Zweiten Republik durch dir Vernetzung von Entwerferinnen und Entwerfern mit traditionsreichen Werkstätten und Unternehmen wie die Metallwerkstätten Carl Auböck und Karl Hagenauer oder der Glasverleger J. & L. Lobmeyr, die 1948 zusammen mit erfahrenen Architekten die „Österreichischen Werkstätten“ ins Leben riefen.
Der Wunsch nach Unbeschwertheit
Nach den schweren Kriegs- und Nachkriegsjahren verlangten die Menschen nach Unterhaltung, Unbeschwertheit und Lebensfreude. Bereits 1951 öffnete das Café "Arabia Espresso" am Kohlmarkt 5 seine Pforten in der Wiener Innenstadt. Es "importierte“ die italienische Espresso-Kultur in die traditionelle Kaffeehaus-Metropole Wien, was für heftige Diskussionen sorgte.
Das Offizielle Österreich zieht in die Hofburg
Die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs betrafen nicht nur Fabrikanlagen und Wohngebäude, sondern auch das offizielle Österreich. Die Präsidentschaftskanzlei richtete ihre Büros und Repräsentationsräume 1946 in der Hofburg im Leopoldinischen Trakt in den ehemaligen Räumlichkeiten von Kaiserin Maria Theresia und ihres Gatten Franz I. ein. Die historischen Räume wurden mit dem vorhandenen kaiserlichen Mobiliar aus den Beständen der Bundesmobilienverwaltung neu eingerichtet. Das Bundeskanzleramt am Ballhausplatz war durch Bombentreffer beschädigt. Daher konnten erst nach dem Wiederaufbau der Fassaden mit der Inneneinrichtung begonnen werden. Im Gegensatz zur Präsidentschaftskanzlei wurden die Büroräume des Bundeskanzlers 1948/49 von Architekt Oswald Haerdtl mit modernen Möbeln und Beleuchtungskörpern neu ausgestattet. Die Wiedereröffnung von Theophil Hansen gestalteten Parlaments aus der Ringstraßenzeit fand hingegen erst 1956 statt.
Neustart Wohnen & Soziale Wohnkultur
Bombenabwürfe und Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs hatten auch an zahlreichen Wohnbauten große Schäden angerichtet. Allein in Wien waren 187.000 Wohnungen beschädigt, 87.000 davon zerstört. Die Stadt Wien hatte bereits nach dem Ersten Weltkrieg ein soziales Wohnbauprogramm ins Leben gerufen. Diese kommunale Wohnbautätigkeit wurde nun mit dem "sozialen Schnellbauprogramm" wieder aufgenommen. Auch die Entwicklung des "SW- Möbelprogramms" durch die Initiative "Soziale Wohnkultur“ trug entscheidend zur praktischen Umsetzung der modernen Wohnkultur bei. Die Entwürfe von Oskar Payer und Franz Schuster gingen nach einer Befragung der Besucherinnen und Besucher in Serie. Heute sind die "SW“-Möbel und "Austro Sessel“ der 1950er-Jahre am "Vintage“-Markt zu finden.