Hattmannsdorfer im Linzer Hafen: "Erstmals seit 21 Monaten Handelsbilanzüberschuss ist ein positives Signal" Daher mit Binnenmarkt Plus neue Absatzmärkte öffnen – Hattmannsdorfer bringt Vorschlag nächste Woche beim EU-Handelsministerrat in Dublin ein
Foto: BMWET/Holey
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"Österreich lebt vom Export. Erstmals seit 21 Monaten haben wir wieder einen Warenhandelsüberschuss erzielt. Das ist ein positives Signal. Umso mehr müssen wir alles daransetzen, die Rolle Österreichs und Europas im Welthandel zu stärken. Gerade in einer Welt, in der Handelsbarrieren zunehmen, braucht es ein klares Bekenntnis zum Freihandel und zu starken Handelspartnerschaften. Wir müssen bestehende Beziehungen festigen und neue Partner gewinnen. Deshalb setzen wir auf Binnenmarkt Plus: Wir wollen verlässliche Staaten enger an Europa binden und unseren Unternehmen neue Märkte öffnen. Diesen Vorschlag werde ich nächste Woche beim EU-Handelsministertreffen in Dublin einbringen", so Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
"Der Linzer Hafen ist als hochmoderne Logistikdrehscheibe ein verlässlicher und wichtiger Partner für Industrie und Gewerbe im oberösterreichischen Zentralraum und darüber hinaus. Die Basis für den heutigen beispielgebenden Status des Standorts bildet die mehrjährige Transformation des Hafens, die zu Jahresbeginn mit der Eröffnung eines umfassenden Hochwasserschutzes in wesentlichen Teilen finalisiert wurde. Die Transformation von der Erweiterung und Modernisierung des Containerterminals über die Errichtung von Speziallagerhallen bis zu Entwicklung eines völlig neuen Stadtteils zählt zu den größten Investitionen des Konzerns als Beitrag zur Absicherung des Wirtschaftsstandortes Linz ", so LINZ AG-Generaldirektor DI Erich Haider
"Leistungsfähige Verkehrswege und verlässliche Handelspartner stärken den Wirtschaftsstandort Oberösterreich. Entscheidend ist, dass neue Handelsmöglichkeiten auch zu sicheren Arbeitsplätzen, fairen Einkommen und mehr Wertschöpfung in Österreich führen. Neue Partnerschaften dürfen daher nicht zu einem Wettbewerb nach unten führen", so AK-Oberösterreich-Präsident Andreas Stangl
Linzer Hafen: Von Oberösterreich auf die Weltmärkte
Der Linzer Hafen ist eine wichtige Drehscheibe für den internationalen Warenverkehr. Über Schiene, Straße und Donau verbindet er österreichische Unternehmen mit internationalen Transportwegen. Im Geschäftsjahr 2024/25 wurden am Containerterminal im Wasser- und Landumschlag einschließlich Wechselaufbauten 253.480 Standardcontainer-Einheiten (TEU) umgeschlagen – ein Plus von 28,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein neuer Rekord. Die Hafenbahn verzeichnete 107.905 Wagenbewegungen.
Österreichs Exportstärke ausbauen: Wettbewerbsfähigkeit und neue Märkte
Für Exportaufträge brauchen die Betriebe aber auch wettbewerbsfähige Produktionsbedingungen und verlässlichen Marktzugang. Das WIFO nennt für die vergangenen Jahre vor allem die Schwäche der deutschen Industrie und die US-Zollpolitik als Belastungen der Exportwirtschaft. Die OeNB zeigt den Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit und zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China auf. Hinzu kommen chinesische Exportbeschränkungen bei kritischen Rohstoffen, die laut Europäischer Kommission europäische Lieferketten belasten. Deshalb müssen eine Stärkung des Standorts und zusätzliche Wirtschaftspartnerschaften Hand in Hand gehen.
Österreichs Außenhandel: Gesamtentwicklung und Partnerländer
Erstmals seit 21 Monaten erzielte Österreich im Juli 2026 wieder einen Warenhandelsüberschuss: Nach vorläufigen Zahlen der Statistik Austria lag er bei 268 Millionen Euro. Die Warenexporte stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,7 Prozent, die Importe um 1,9 Prozent. Über die ersten sieben Monate blieb die Bilanz mit einem Defizit von 3,92 Milliarden Euro negativ. Das positive Monatsergebnis ist ein Signal, aber noch kein Beleg für eine dauerhafte Trendwende.
| Kennzahl | Juli 2026 | Jänner–Juli 2026 |
| Warenexporte | 17,61 Mrd. € | 117,70 Mrd. € |
| Veränderung zum Vorjahr | +6,7 % | +5,7 % |
| Warenimporte | 17,34 Mrd. € | 121,62 Mrd. € |
| Veränderung zum Vorjahr | +1,9 % | +5,7 % |
| Handelsbilanz | +0,27 Mrd. € | −3,92 Mrd. € |
Quelle: Statistik Austria, 8. Oktober 2026; vorläufiger Warenhandel.
Der folgende Vergleich zeigt Österreichs Warenhandel mit ausgewählten Partnern von Jänner bis Juli 2026. Alle Beträge in Milliarden Euro.
| Land | Exporte ± | Exporte | Importe | Handelsbilanz |
| USA, China und Russland | ||||
| USA | −2,2 % | 7,64 | 4,45 | +3,19 |
| China | −0,2 % | 2,88 | 11,86 | −8,98 |
| Russland | +3,4 % | 0,54 | 0,02 | +0,51 |
| Mögliche Binnenmarkt-Plus-Partner | ||||
| Kanada | +12,0 % | 1,06 | 0,31 | +0,75 |
| VAE | −27,5 % | 0,36 | 0,13 | +0,23 |
| Südkorea | +5,8 % | 0,74 | 0,92 | −0,18 |
| Australien | +22,2 % | 0,63 | 0,12 | +0,51 |
| Singapur | +45,0 % | 0,37 | 0,22 | +0,15 |
| Neuseeland | −9,7 % | 0,08 | 0,04 | +0,05 |
Warenhandel Jänner–Juli 2026, Mrd. Euro; Exportveränderung gegenüber Jänner–Juli 2025. Quelle: Statistik Austria, 8.10.2026 /
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs ist Österreichs Warenhandel mit Russland um rund 85 Prozent eingebrochen. Das leichte Exportplus von 3,4 Prozent im Jahr 2026 ändert nichts an diesem langfristigen Rückgang.
Die Exporte in die USA und nach China gehen zurück; bei China steigen zugleich die Importe deutlich. Die Handelsbilanzen entwickeln sich jedoch unterschiedlich: Der US-Überschuss steigt trotz sinkender Exporte, während die Exporte nach Russland zulegen. Bei den möglichen Binnenmarkt-Plus-Partnern wachsen die Exporte nach Kanada, Südkorea, Australien und Singapur; in die VAE und nach Neuseeland gehen sie zurück. Die Zuwächse in vier Partnerländern zeigen Chancen für eine breitere Aufstellung unserer Exportwirtschaft. Mit Binnenmarkt Plus sollen diese Chancen durch einfacheren Marktzugang und verlässliche Regeln ausgebaut werden.
Hattmannsdorfer schlägt neues Modell vor: Binnenmarkt Plus
Mit dem "Binnenmarkt Plus" schlägt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer ein Modell vor, um verlässliche Partner über klassische Freihandelsabkommen hinaus enger an den europäischen Binnenmarkt anzubinden. Die Initiative hat Hattmannsdorfer bereits im Mai 2025 öffentlich vorgestellt. Ziel ist eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit in ausgewählten Bereichen, ohne dass dafür eine vollständige Teilnahme am EWR notwendig ist. Ein einfacherer Marktzugang soll die notwendige Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Österreich ergänzen. Konkrete Module müssten auf EU-Ebene mit den Partnern vereinbart und rechtlich umgesetzt werden.
Einmal geprüft, auf beiden Märkten akzeptiert
Konkret muss Binnenmarkt Plus dort ansetzen, wo Unternehmen auch bei bestehenden Handelsabkommen durch vermeidbare Doppelprüfungen, unterschiedliche Zulassungen und mehrfache Nachweise Zeit und Geld verlieren. Auf vorhandenen Anerkennungsregelungen soll aufgebaut werden. Je nach wirtschaftlichen Stärken und gemeinsamen Interessen könnten unterschiedliche Binnenmarktmodule vereinbart werden. Mit Kanada könnten Industriegüter, Fachkräfte, Digitalwirtschaft, Energie und Rohstoffe im Zentrum stehen. Bei Südkorea und Singapur bieten sich insbesondere Digitalwirtschaft, Technologie und Industrie an.
- Zertifizierung: Eine Maschine soll von einer dafür anerkannten Stelle in Österreich nach den Anforderungen beider Märkte geprüft werden können. Auf Basis entsprechender Vereinbarungen sollen die Prüfergebnisse auch im Partnerland anerkannt werden. Ziel: einmal geprüft, auf beiden Märkten akzeptiert.
- Fachkräfte: Berufsabschlüsse und Qualifikationen sollen bei vergleichbaren Anforderungen schneller gegenseitig anerkannt werden. Ziel ist, bestehende Anerkennungsregelungen auf weitere geeignete Berufe auszuweiten.
- Digitales: Produktdaten, Herkunftsnachweise oder Zertifikate sollen auf bestehenden Digitalabkommen aufbauend einfacher digital übermittelt und im Rahmen vereinbarter Regeln auf beiden Seiten anerkannt werden können. Auch bei KI, Cloud, Cybersicherheit, Forschung und Recheninfrastruktur könnte enger zusammengearbeitet werden.
- Rohstoffe: Mit Partnern wie Kanada oder Australien soll die Zusammenarbeit bei strategischen Rohstoffen vertieft werden. Europa kann Technologie, Investitionen und Marktzugang einbringen. So sollen zusätzliche Absatzmöglichkeiten und verlässlichere Lieferketten entstehen.
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