Wasserstoffbedarfe 2030,2035 und 2040
Top-down- und Bottom-up-Analyse der künftigen Wasserstoffbedarfe in Österreich
Die Sicherung der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit Österreichs unter Einhaltung seiner klima- und energiepolitischen Ziele erfordert die Dekarbonisierung von Industrie und Energieerzeugung, wobei Wasserstoff insbesondere in schwer elektrifizierbaren Prozessen eine zentrale Rolle spielen wird. Dafür ist der rechtzeitige und bedarfsgerechte Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur entscheidend, um die Verteilung zwischen Erzeugern, Speichern und Endkunden sowie den Import aus dem Ausland zu ermöglichen. Die vorliegende Studie verfolgt das Ziel, die zukünftige Nachfrage nach Wasserstoff (und den wichtigsten Derivaten) in Abhängigkeit von möglichen Preisentwicklungen zu ermitteln und so eine Orientierung über die zukünftig benötigten Mengen für die derzeit in Erarbeitung befindliche Wasserstoff-Importstrategie bereitzustellen.
Die Studie stützt sich auf eine Befragung zum aktuellen und zukünftig erwarteten Energieverbrauch in den relevanten energieintensiven Industriebranchen unter Berücksichtigung der jeweils relevanten Preiskipppunkte für Investitionsentscheidungen in wasserstoffbasierte Produktionstechnologien. Interviews mit den wichtigsten Stakeholdern ermöglichten ein vertieftes Verständnis der wichtigsten Prozesse. Die Ergebnisse der Umfrage wurden schließlich auf das ganze Land hochgerechnet, um eine österreichweit gültige Nachfragekurve für Wasserstoff zu erhalten.
Die Ergebnisse zeigen eine stark preissensitive Wasserstoffnachfrage: Bei Erreichen der Preisparität zu Erdgas inklusive CO2-Kosten könnte der Gesamtbedarf bis 2040 auf circa 33 TWh steigen, während sich bei einer weniger optimistischen an aktuellen Auktionsergebnissen orientierten Preisentwicklung (4,3 €/kg) lediglich 6 TWh einstellen würden. Ein signifikanter Sockelbedarf ergibt sich aus regulatorisch getriebenen Anwendungen wie der Produktion von Sustainable Aviation Fuels (SAF), die voraussichtlich in wesentlichen Teilen auf dem Import von flüssigem Methanol beruhen wird. Die Spannbreite der für die Dimensionierung der Infrastruktur maßgeblichen Pipeline-Wasserstoffnachfrage liegt daher, abhängig vom Wasserstoffpreis, im Jahr 2040 zwischen 3 und 27 TWh. Die geografische Verteilung der rückgemeldeten Bedarfe bestätigt im Wesentlichen frühere Annahmen wie die des integrierten österreichischen Netzinfrastrukturplans (ÖNIP).
Die Interviews zeigten deutlich, dass aufgrund der hohen Investitionskosten, der langen Anlagenlebensdauern und der Umstellungszeiträume für den Wasserstoffhochlauf stabile Rahmenbedingungen erforderlich sind. Für Branchen, die primär lokalem oder regionalem Wettbewerb ausgesetzt sind (Fernwärme, Strom, Zement), schafft diese insbesondere der Europäische Emissionshandel (ETS). Für Branchen, die stärker am internationalen Markt exponiert sind (z.B. Eisen und Stahl, Nicht-Eisen-Metalle) betrifft dies zusätzlich den Carbon-Border-Adjustment-Mechanismus (CBAM). Weiters stellen die Vorgaben aus der Erneuerbaren-Richtlinie (REDII/III) sowie der ReFuelEU-Aviation-Verordnung wichtige Treiber für den Wasserstoffhochlauf zur Herstellung von chemischen Erzeugnissen und Treibstoffen dar.