Zehetner: 43.300 Tickets in zehn Minuten bestätigen Dringlichkeit des eingeschlagenen Reformkurses bei PV-Förderung Erwarteter Andrang auf dritten Fördercall unterstreicht Handlungsbedarf – 2027 sollen Planungssicherheit, Speicher und intelligente Steuerung im Mittelpunkt stehen
Der erwartete Ansturm auf den gestern, Donnerstag, gestarteten dritten PV-Fördercall 2026 bestätigt die bereits eingeleitete Neuausrichtung der Förderung. In den ersten zehn Minuten wurden laut Erstauswertung rund 43.300 Tickets gezogen – deutlich mehr als beim zweiten Fördercall 2026 mit 24.900 Tickets. Nach den Erfahrungen der vergangenen Calls war klar, dass erneut mit sehr großer Nachfrage zu rechnen ist. Deshalb wurden nach intensiven Gesprächen mit Vertreterinnen und Vertretern der Elektrotechniker, des Elektrofachhandels und der PV-Austria bereits vor dem aktuellen Call die gemeinsamen Eckpunkte für ein neues Modell ab 2027 vorgestellt. „Dass der Andrang wieder enorm sein würde, war nach den vergangenen Fördercalls klar. Deshalb haben wir bereits gehandelt und die Neuausrichtung vor diesem Call auf den Weg gebracht. Die Zahlen bestätigen unseren Kurs: Wir müssen weg vom Wettlauf um Sekunden und hin zu einer Förderung, mit der Menschen und Betriebe planen können“, erklärt Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner.
Großer Andrang, stabile Abwicklung
Der Fördercall startete am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, um 17:00 Uhr. Schon nach einer Minute waren rund 19.600 Tickets gezogen, nach fünf Minuten rund 40.800 und nach zehn Minuten rund 43.300. Die IT-Systeme der OeMAG hielten der großen Last stand. Die hohe Zahl gezogener Tickets ist ein Zwischenstand und noch keine Aussage über vollständig eingereichte Anträge oder Förderzusagen. Ab heute können Förderwerber ihre Anträge ohne vorherige Ticketziehung direkt im EAG-Portal eingeben. Der dritte PV-Fördercall läuft bis Donnerstag, dem 22. Oktober 2026.
Trainings und Gutscheinaktionen: Förderlogik treibt groteske Blüten
Welche Auswüchse der Wettlauf um Fördermittel inzwischen genommen hat, zeigen Rückmeldungen zu organisierten Aktionen. Berichtet wurde von einem eigenen Training für die Teilnahme am Fördercall sowie von einer Online-Schulung unmittelbar vor Callbeginn. Im zweiten Fall sollen teilnehmende Personen für das Einreichen von Förderanträgen für das Unternehmen Amazon-Gutscheine erhalten. „Es ist absurd, dass für eine Förderung eigene Trainings und organisierte Gutscheinaktionen aufgezogen werden. Das zeigt, welche grotesken Blüten diese Förderlogik inzwischen treibt. Genau deshalb ändern wir die Spielregeln: Förderungen müssen Investitionen ermöglichen und dürfen nicht zum Wettbewerb um den schnellsten Klick werden“, so Zehetner.
Die seit 2021 bestehende Förderlogik hat den Ausbau der Photovoltaik begleitet. Die Erfahrungen der jüngsten Calls haben aber deutlich gemacht, dass sie den heutigen Anforderungen nicht mehr gerecht wird. Die Neuausrichtung setzt deshalb sowohl bei der Antragstellung als auch beim Nutzen für das gesamte Stromsystem an.
Neuausrichtung vorbereitet: Speicher statt Sekundenrennen
Photovoltaikanlagen sind in den vergangenen Jahren deutlich günstiger geworden. Damit haben sich auch die Anforderungen an die Förderung verändert. Mit dem starken Ausbau der Sonnenenergie rückt jetzt das Zusammenspiel von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch in den Mittelpunkt.
Die Eckpunkte des neuen Fördermodells wurden intensiv mit der Branche diskutiert. Ab 2027 soll die Antragstellung laufend nach Fertigstellung mit der Schlussrechnung möglich sein – statt wie bisher zu fixen Fördercalls, bei denen die Reihenfolge der Anträge entscheidet. Die klassische PV-Investförderung soll einem Speichersystembonus weichen. Im Mittelpunkt stehen neue Speicher sowie die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen, verbunden mit intelligentem Energiemanagement und einem Betrieb, der das Stromsystem unterstützt. „Wir haben zugesagt, vor diesem Fördercall eine Perspektive vorzulegen. Diese Zusage haben wir eingehalten“, betont Zehetner.
Die konkrete Ausgestaltung und die Förderbedingungen werden derzeit final ausgearbeitet. Parallel wird die dafür erforderliche Gesetzesnovelle vorbereitet. Für deren Beschluss braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Parlament.
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