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FAQs zur aktuellen energiepolitischen Lage

Energiepolitische Fragen anlässlich der aktuellen Lage rund um die Situation im Iran und die Schließung der Straße von Hormus

1. Situation & Bewertung

Die Lage ist geopolitisch angespannt und wird sehr genau beobachtet. Die Straße von Hormus zählt zu den wichtigsten Energie-Transitkorridoren der Welt: Rund 25-30 Prozent des globalen Seehandels mit Rohöl und etwa 20 Prozent des weltweiten LNG-Angebots passieren normalerweise diese Meerenge. Entsprechend sensibel reagieren die internationalen Energiemärkte auf jede Eskalation.

Für Österreich ist jedoch entscheidend: Unsere Versorgungssicherheit ist derzeit gesichert. Österreich importiert weder Rohöl noch Erdölprodukte aus dem Iran. Der überwiegende Teil unserer Rohölimporte – über 55 Prozent – stammten 2025 aus Kasachstan und gelangten über das Schwarze Meer und den Hafen Triest nach Österreich. Rund 16 Prozent unserer Importe kamen 2025 aus Saudi-Arabien und dem Irak, deren Exporte üblicherweise über Hormus abgewickelt werden. Saudi-Arabien exportiert inzwischen einen größeren Teil seiner Öl-Exporte über Yanbu am Roten Meer, wodurch die Straße von Hormus umgangen wird.

Geopolitische Spannungen schlagen unmittelbar auf die Preise durch. Der für Europa relevante Brent-Ölpreis ist zuletzt deutlich gestiegen und liegt aktuell bei rund 100 Euro pro Barrel. Auch die europäischen Gaspreise zeigen insgesamt erhöhte Volatilität.

Denkbar sind drei Szenarien:

  • Bei einer raschen Deeskalation könnten sich die Preise rasch wieder normalisieren.
  • Bei anhaltender Unsicherheit bleiben Risikoaufschläge bestehen.
  • Bei einer weiteren Eskalation oder tatsächlichen längerfristigen Blockade sind deutliche Preissprünge und auch Engpässe bei einzelnen Treibstoffen, insb. bei Kerosin, möglich.

Wie stark sich das letztlich auf Verbraucherpreise auswirkt, hängt maßgeblich von der Dauer und Intensität der Störung ab sowie von der Art des Liefervertrages. Dynamische Tarife sind der Preissteigerung direkt ausgesetzt, profitieren im Gegenzug aber auch zuerst bei Rückgängen des Großhandelspreisniveaus.

Derzeit gibt es keine verlässlichen Prognosen über die Dauer. Diese Unsicherheit spiegelt sich in der Preisentwicklung wider.

Erfahrungen aus früheren krisenhaften Situationen zeigen jedoch, dass sich globale Energiemärkte vergleichsweise rasch neu organisieren und alternative Handelsströme entstehen.

2. Versorgungssicherheit & Energiemärkte

Österreich ist nicht direkt vom Iran bzw. dem Energietransport durch die Straße von Hormus abhängig. Die Auswirkungen betreffen vor allem mögliche Preisentwicklungen, höhere Transport- und Versicherungskosten sowie Verschiebungen globaler Handelsströme. Europa insgesamt ist jedoch durchaus von Treibstoffimporten aus der Golfregion abhängig. Insb. Kerosin und in geringerem Ausmaß Diesel importiert Europa aus der betroffenen Region.

Die physische Versorgung mit Öl und Gas ist aktuell gesichert. OMV hat mitgeteilt, dass es derzeit keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Lieferketten gibt. 

Das Ministerium verfolgt eine klare dreifache Strategie:

  • Laufendes Monitoring der internationalen Energiemärkte.
  • Einrichtung eines Ausschusses für wirtschaftliche Angelegenheiten und Versorgungssicherheit " unter Einbindung von Expertinnen und Experten, unter anderem der E-Control und des Lieferketteninstituts ASCII.
  • Enge Abstimmung mit Energieunternehmen und europäischen Partnern. 

Ziel ist es, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und rasch reagieren zu können.

Gas ist im europäischen Strommarkt besonders in den Morgen- und Abendstunden preissetzend. Wenn Gaspreise länger hoch bleiben, schlägt sich das typischerweise auch auf das durchschnittliche Niveau der Großhandelsstrompreise nieder. Wie stark das beim Endkunden ankommt, hängt vom Endkundenvertrag ab (Preisgarantie oder Floater) sowie von Beschaffungsstrategien, Absicherungen und dem Anteil erneuerbarer Erzeugung bei den Versorgungsunternehmen. Für die meisten Haushalte in Österreich wird sich kurzfristig am Strompreis nichts ändern.

Grundsätzlich gilt: Kurzfristige Preisschwankungen sind bei geopolitisch angespannten Situationen üblich. Die aktuellen Preise liegen weiterhin deutlich unter historischen Höchstständen der letzten Jahre. 

3. Internationale Zusammenarbeit & Strategische Reserven

Österreich verfügt über staatlich kontrollierte Notstandsreserven an Erdöl und Erdölprodukten im Ausmaß von rund 90 Tagen, bemessen an den Nettoimporten des Vorjahres. Das entspricht etwa 2,75 Millionen Tonnen Erdöleinheiten.

Österreich hat 56.000 Tonnen der Notstandsreserve freigegeben, um an der koordinierten Freigabeaktion ("Collective Action") der internationalen Energieagentur (IEA) mitzuwirken. Sie hatte das Ziel, den Mineralölmarkt durch zusätzliche Mengen zu stabilisieren und Preisspitzen zu dämpfen. Der Grund für diese Freigabe war also eine Unterstützung für internationale Märkte – Österreich ist nach wie vor gut versorgt.

Es findet eine laufende Abstimmung mit der Europäischen Kommission, der Internationalen Energieagentur (IEA) sowie mit Nachbarstaaten und Regulierungsbehörden statt.

Die Europäische Union ist insgesamt nur begrenzt direkt vom Transit durch Hormus abhängig. Schätzungen zufolge betreffen rund 10 Prozent des Tankerhandels durch Hormus Lieferungen für die EU.

Europa hat in den letzten Jahren massiv in LNG-Terminals investiert und seine Bezugsquellen diversifiziert. Österreich selbst ist über mehrere Routen – insbesondere über Deutschland und Italien – angebunden und dadurch breiter aufgestellt als noch vor wenigen Jahren.

4. Risikomanagement & politische Folgen

Neben der Situation in der Straße von Hormus bestehen Risiken durch mögliche Angriffe auf Energieinfrastruktur, besonders Raffinerie und Erdölförderanlagen, eine Ausweitung des Konflikts oder stärkere globale Marktreaktionen.

Ein globaler Ölpreisschock würde alle Volkswirtschaften betreffen – auch jene ohne direkte Abhängigkeit von der Region.

Anhaltend hohe Energiepreise könnten Transportkosten erhöhen, Produktionskosten verteuern und damit Inflationsdruck erzeugen. Die tatsächlichen Auswirkungen hängen jedoch stark von der Dauer der Krise und den Marktreaktionen ab.

Die Ausgangslage ist heute stabiler als 2022: Österreich ist breiter diversifiziert und weniger einseitig abhängig.

Es besteht derzeit kein Anlass zur Sorge hinsichtlich der Versorgungssicherheit. Geopolitische Spannungen können kurzfristige Preisschwankungen auslösen. Was wir national nicht steuern können, sind globale Marktpreise. Was wir jedoch sehr wohl steuern können, ist unsere Resilienz. Je stärker wir auf heimische Energievorkommen, Elektrifizierung, Speicher, Netzausbau und Energieeffizienz setzen, desto unabhängiger werden wir von geopolitischen Spannungen. Die langfristige Antwort auf Krisen heißt Diversifizierung, Innovation und strukturelle Unabhängigkeit.