Spitzenkappung: Ein kleiner Verlust für PV-Einspeiser, aber ein großer Gewinn für das Stromnetz
Speisen viele Photovoltaik-Anlagen gleichzeitig und ungesteuert ins Stromnetz ein, kann das zu kostspieligen Belastungen führen. Um Stabilität zu gewährleisten, die Infrastruktur zu schonen und weitere PV-Anlagen an das bestehende Netz anschließen zu können, empfehlen Expert/innen eine Begrenzung der Einspeisung. Die Verluste sind dabei minimal, der Nutzen für das Stromnetz ist aber groß.
Wie funktioniert die Spitzenkappung?
Etwa eine halbe Million PV-Anlagen gibt es bereits in Österreich. Das Ziel vieler Anlagen ist es, möglichst viel vom eigens produzierten Sonnenstrom selbst zu nutzen. Strom, der nicht selbst genutzt wird, wird ins Stromnetz eingespeist. An sonnigen Tagen sind das sehr große Mengen an Strom. Das Stromnetz muss auf diese Maximalbelastungen ausgelegt sein, auch, wenn sie nur an wenigen Stunden des Jahres auftreten. Sind die Kapazitäten ausgeschöpft, können keine weiteren Anlagen angeschlossen werden, ohne das Stromnetz zu hohen Kosten auszubauen. An diesem Problem setzt das neue Strommarktgesetz ElWG mit der so genannten Spitzenkappung an. Bei neuen oder erweiterten Anlagen haben Netzbetreiber das Recht, die Einspeisung auf bis zu 70 Prozent der Modulspitzenleistung zu begrenzen. Bei einer 10-kWp-Anlage wären dies 7 kW maximale Einspeiseleistung. Wenn die Anlage an sonnigen Tagen mehr als diese 70 Prozent einspeisen würde, wird der überschüssige Strom automatisch abgeregelt und nicht ins Netz abgegeben. Das Gesetz sieht vor, dass es ab 2028 eine "dynamische" Version der Spitzenkappung geben soll, die das Limit je nach tatsächlichem Zustand des Netzes anpasst.
Fakten zur Spitzenkappung bei Photovoltaik
- Nur bei Neuerrichtung oder Erweiterung von PV-Anlagen
- Limitierung der Einspeisung auf bis zu 70 Prozent der Modulspitzenleistung durch Netzbetreiber
- Schafft Spielraum für Netzbetrieb, schützt vor Überlastungen und dämpft die Netzkosten
- In vielen Fällen keine oder kaum Verluste an PV-Strom, besonders, wenn eine Batterie integriert, Verbrauch flexibel oder die Anlage nicht rein nach Süden ausgerichtet ist.
- Das Instrument der Spitzenkappung gibt es auch bei der Windkraft
Wo sind die Vorteile der Einspeisebegrenzung?
Die Maßnahme ist für Menschen, die sich eine neue Photovoltaik-Anlage anschaffen oder eine bestehende erweitern wollen, leicht verkraftbar: Sie verschafft den Netzgesellschaften auf einfachste Weise neuen Spielraum und mehr PV-Anlagen können (mit reduzierter Einspeiseleistung) angeschlossen werden. Gäbe es die Maßnahme nicht, müsste deutlich mehr in den Ausbau der Netze investiert werden, um die neu hinzukommenden Spitzenleistungen abdecken zu können – das dauert und lässt die Netzkosten steigen. Durch das ElWG ist es umgekehrt: Die Spitzenkappung dämpft zukünftige Netzkosten, neue Anlagen können schneller angeschlossen werden.
Wieviel Strom geht durch die Maßnahme "verloren"?
Durch die Maßnahme geht in den meisten Konfigurationen kein, in manchen Fällen nur wenig Strom verloren. Würde man 100 Prozent der Photovoltaik-Produktion einer nach Süden ausgerichteten Anlage direkt in das Netz einspeisen, würde weniger als 1 von 100 produzierten Kilowattstunden abgeregelt. Anlagen, die in Richtung Ost-West orientiert sind, produzieren Strom noch gleichmäßiger. Sie durchstoßen in nur einer einzigen Stunde des Jahres die 70-Prozent-Marke – die gekappte Spitze wäre vernachlässigbar. Weil immer auch ein Teil der produzierten Energie vor Ort verbraucht wird, gibt es bei haushaltsüblichen Anlagen aber de facto keinen Verlust, wie das folgende Beispiel einer PV-Anlage mit 10 Kilowatt peak Modulleistung zeigt. Bei Limitierung der Einspeisung auf 70 Prozent der Modulleistung geht keine Energie verloren.
Wieviel PV-Strom geht durch Spitzenkappung1 verloren? Keiner.
Wie lässt sich die Spitzenkappung vermeiden?
In seltenen Anlagenkonstellationen kann es vorkommen, dass geringfügige Mengen die 70-Prozent-Grenze durchbrechen. Aber auch das lässt sich vermeiden, denn für Menschen, die ihre Photovoltaik-Anlage mit einem Batteriespeicher kombinieren und diesen so betreiben, dass Produktionsspitzen eingespeichert werden, hat die Spitzenkappung keine Relevanz mehr. Auch der gezielte Verbrauch von Sonnenstrom zu Spitzenzeiten wirkt auf ähnliche Art und Weise, indem Überschüsse, die ansonsten eingespeist würden, reduziert werden.