Tourismus-Staatssekretärin Zehetner: Offene Fragen zur Inflationsberechnung im Tourismus zu klären Erster Termin mit Statistik Austria kommende Woche - VPI muss Realität im Tourismus korrekt abbilden, sonst drohen gesamtwirtschaftliche Fehlwirkungen
Angesichts der aktuellen Inflationszahlen und gemäß der im Ministerrat beschlossenen Maßnahmen im Rahmen des Tourismus-Pakets unterstreicht Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner die Notwendigkeit, die Berechnung der Inflation im Tourismus sachlich und fundiert zu überprüfen. Ein erster Gesprächstermin mit Statistik Austria findet dazu kommende Woche statt, mit Wirtschaftsforscherinnen und Wirtschaftsforschern fand bereits diese Woche ein Austausch statt.
"Nach zahlreichen Gesprächen mit Betrieben, Branchenvertreterinnen und -vertretern und Expertinnen und Experten stellen sich berechtigte Fragen zur derzeitigen Methodik der Inflationsmessung", so Zehetner. Konkret geht es darum, warum bei der Erhebung der Preisentwicklung nahezu ausschließlich der urbane Raum berücksichtigt wird und mit Schladming sowie Saalbach-Hinterglemm ausgerechnet zwei stark touristisch geprägte Regionen als Referenz herangezogen werden, während ländliche Regionen mit ganz anderen Kostenstrukturen und Konsummustern weitgehend unberücksichtigt bleiben. Auch die Gewichtung einzelner Positionen im Warenkorb, der Umgang mit Indexierungen, die unterschiedliche Gewichtung von Getränken - etwa Wein - sowie die Berücksichtigung hoher Lohnabschlüsse und von Qualitätsverbesserungen müssten genauer analysiert werden.
Zehetner betont dabei ausdrücklich: "Österreich lebt von einem qualitativ hochwertigen Tourismus und einer hohen Qualität in der Gastronomie. Diese Qualität wollen und sollen wir uns bewusst leisten." Für die Staatssekretärin ist insbesondere nicht nachvollziehbar, dass der Tourismus pauschal als einer der Haupttreiber der Inflation dargestellt wird. "Viele Betriebe kämpfen mit sinkenden Margen. Das deutet klar darauf hin, dass Kosten eben nicht in vollem Umfang an die Gäste weitergegeben werden", so Zehetner.
Zehetner betont zudem, dass beim Verbraucherpreisindex (VPI) insgesamt besonders genau hingesehen werden müsse, weil die Inflationsmessung in Österreich weitreichende Auswirkungen über die reine Statistik hinaus entfaltet. "Der VPI ist eine zentrale Referenzgröße, etwa für Indexierungen und als Orientierung in wirtschaftlichen Erwartungsbildungen. Gerade deshalb muss sichergestellt sein, dass die Berechnungslogik die Realität im Tourismus sachgerecht und differenziert abbildet", so Zehetner.
Dies sei deshalb so relevant, weil eine methodisch verzerrte oder überzeichnete Abbildung touristischer Preisdynamiken auch gesamtwirtschaftliche Spillover-Effekte auslösen kann, etwa über Zeitrunden und Folgewirkungen in anderen Sektoren. "Wenn einzelne Teilsegmente im VPI überproportional wirken, kann das Inflationserwartungen verstärken und dadurch mittelbar auch Lohnabschlüsse in allen Branchen beeinflussen, selbst dann, wenn die Kostendynamik in Industrie und Gesamtwirtschaft nicht deckungsgleich mit touristischen Dienstleistungspreisen ist", hält Zehetner fest.
Ziel der Gespräche mit Statistik Austria sei es, die bestehenden Fragen transparent zu klären und die Berechnungsgrundlagen nachvollziehbar darzulegen. "Es geht nicht darum, Zahlen schönzurechnen, sondern darum, sicherzustellen, dass die Inflationsmessung die wirtschaftliche Realität fair, differenziert und methodisch sauber abbildet", hält Zehetner fest.
Kontakt:
Presseabteilung: presseabteilung@wirtschaftsministerium.at