Österreichs Wirtschaftsbeziehungen mit Asien und dem Pazifikraum
Asien (ohne GUS-Asien Staaten)
Asien und Pazifik, auf das etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung und fast 50 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung entfallen, ist eine der am schnellsten wachsenden Regionen der Welt. Zusätzlich nimmt die weltwirtschaftliche Bedeutung durch politische und wirtschaftliche Kooperationen wie das "Regional Comprehensive Economic Partnership" (RCEP) weiter zu. Dieses Handelsabkommen vereint 15 Staaten (Australien, Brunei, China, Indonesien, Japan, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Neuseeland, die Philippinen, Singapur, Südkorea, Thailand, Vietnam), umfasst etwa 30 Prozent der Weltbevölkerung und stellt mit rund einem Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung den größten Handelsblock der Welt dar.
Mit einem Anteil von 11,8 Prozent am gesamten österreichischen Warenhandel im Jahr 2025 (+0,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahreszeitraum) bleibt der Asien-Pazifik-Raum weiterhin der zweitwichtigste Handelspartner nach Europa. Hierbei entfallen beträchtliche 15,9 Prozent der gesamten österreichischen Importe weltweit auf diese Region. Aber auch die Ausfuhren, gemessen am gesamten österreichischen Exportvolumen, zeigten mit 7,6 Prozent weiterhin eine positive Dynamik auf. Die wichtigsten Absatzmärkte bleiben weiterhin China (2,7 Prozent der Gesamtexporte), Japan (1,1 Prozent), Indien (0,8 Prozent), Südkorea (0,6 Prozent), sowie Australien und Malaysia (jeweils 0,5 Prozent). Im Jahr 2025 lässt sich innerhalb der österreichischen Exporte ein Aufwärtstrend unter anderem nach Japan (+26,5 Prozent), Malaysia (+20,2 Prozent), Philippinen (+15,8 Prozent), sowie Thailand (+14,4 Prozent) und Indien (+13,6 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen.
China
Eine besondere Stellung in der Region nimmt China für die österreichische Wirtschaft ein. Denn China ist mit Warenimporten von über 17 Milliarden Euro und Warenexporten von rund 5 Milliarden Euro der wichtigste Handelspartner für Österreich in Asien. Aufgrund der Importzuwächse aus China um 13,8 Prozent und der Rückgänge der Exporte in die USA um 20,4 Prozent, wurde China 2025 zum ersten Mal zum drittwichtigsten Handelspartner Österreichs.
Indien
Steigende Bedeutung wird der bevölkerungsmäßig größten Volkswirtschaft Indien zugemessen. Mit rund 1,4 Milliarden Einwohnern, einem Wirtschaftswachstum von rund 6 bis 7 Prozent und einer jungen, wachsenden Mittelschicht entwickelt sich das Land zu einem der wichtigsten globalen Industriestandorte. Mit dem Freihandelsabkommen der EU mit Indien, das am 27. Jänner 2026 nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen abgeschlossen wurde, sollen Zölle auf rund 96 Prozent der gehandelten Güter reduziert oder abgeschafft werden. Dazu zählen unter anderem Kraftfahrzeuge und Bauteile, Maschinen, Chemikalien, Pharmazeutika sowie verschiedene Agrar- und Lebensmittelprodukte. Das Abkommen schafft damit neue Chancen für Handel und Investitionen zwischen zwei Wirtschaftsräumen mit zusammen rund zwei Milliarden Menschen. Auch für Österreich werden kräftige Zuwächse erwartet – die österreichischen Exporte nach Indien könnten um rund 75 Prozent steigen, insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Chemie und industrielle Dienstleistungen. Der vereinbarte Zollabbau bringt AT-Exporteuren zudem eine Ersparnis von zirka 108 Millionen Euro jährlich. Die Reise von Bundeskanzler Stocker und Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer im April 2026 stand auch im Kontext der österreichischen Industriestrategie 2035. Ziel ist es, Österreich als wettbewerbsfähigen Industriestandort zu stärken und gleichzeitig neue internationale Partnerschaften aufzubauen. Indien spielt dabei eine zentrale Rolle – sowohl als Absatzmarkt als auch als Partner für industrielle Kooperation - die im Rahmen der Reise geschlossenen Vereinbarungen sollen dies unterstützen.
Japan
Bereits seit 2019 ist das Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und Japan in Kraft. Am 21. Mai 2025 unterzeichnete Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in Tokio gemeinsam mit Masaki Ogushi, dem japanischen Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) ein neues Memorandum of Cooperation in Industrial Research, Technology and Innovation (MoC) (PDF, 246 KB) (PDF, 246 KB) - nicht barrierefreies Dokument) zur vertiefenden Zusammenarbeit durch den Austausch von Know-how, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und aktuelle Herausforderungen zu bewältigen. Die Intensivierung bilateraler Wirtschafts- und Handelspartnerschaften durch die jeweiligen Stärken in Forschung und Innovation soll dazu beitragen, die Technologien der Zukunft zu gestalten und nachhaltige Entwicklungsziele zu erreichen. Eine Arbeitsgruppe soll die Zusammenarbeit in den Bereichen angewandte, industrieorientierte Forschung; Startups und Scaleups; grüne Technologien und Wasserstoff vorantreiben.
Auf der EXPO 2025 in Osaka positionierte sich der österreichische Pavillon unter dem Motto „Austria makes sense“ und präsentierte Österreich als Innovations-, Umwelt- und Technologiestandort. Die Teilnahme bot eine strategische Chance, die Wirtschaftsbeziehungen mit Japan und dem gesamten Asien-Pazifik-Raum weiter zu vertiefen. Österreichische Unternehmen, Startups und Forschungseinrichtungen war es möglich, sich international zu präsentieren, neue Geschäftskontakte zu knüpfen und bestehende Kooperationen auszubauen. Weiters konnten bewährte Instrumente, wie die Gemischte Wirtschaftskommission und die Besuchsdiplomatie, zur Stärkung bilateraler Wirtschaftsbeziehungen beitragen.
Korea
Seit 2015 ist das Freihandelsabkommen zwischen der EU und der Republik Korea in Kraft und bildet die Grundlage für die dynamische wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ein weiterer Meilenstein wurde 2021 anlässlich des Staatsbesuchs von Präsident Moon gesetzt – dem ersten Besuch eines koreanischen Staatsoberhaupts in Österreich – mit der Etablierung einer Strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern. In den darauffolgenden Jahren intensivierten sich die bilateralen Beziehungen durch zahlreiche hochrangige Besuche. So reisten 2023 unter anderem der koreanische Premierminister Han sowie der CEO von Samsung, Lee, nach Österreich. Ebenfalls im Jahr 2023 wurde im Zuge des Besuchs von Handelsminister Ahn die Einrichtung einer Gemischten Wirtschaftskommission vereinbart. Diese soll die Kooperation insbesondere in den Bereichen Startups, industrielle Forschung, Filmförderung und Wasserstoff weiter vertiefen. 2024 absolvierte der damalige österreichische Wirtschaftsminister Dr. Martin Kocher einen Arbeitsbesuch in Korea, um die wirtschaftlichen Beziehungen weiter auszubauen. Das bilaterale Außenhandelsvolumen erreichte 2025 2,5 Milliarden Euro und verzeichnete damit ein Wachstum von 16,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für österreichische Unternehmen ergeben sich attraktive Geschäftschancen insbesondere in zentralen Industriezweigen Koreas, darunter die Automobil- und Elektronikindustrie sowie Zulieferungen für Kraftwerks-, Maschinen- und Schiffsbau. Darüber hinaus bieten Zukunftsbranchen wie erneuerbare Energien und Umwelttechnologien großes Potenzial.
Indonesien
Das im September 2025 abgeschlossene Freihandelsabkommen der EU mit Indonesien (CEPA) soll neue Impulse für die wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern. Ein zentraler Bestandteil ist der schrittweise Abbau von Zöllen auf einen Großteil der gehandelten Waren. Davon profitieren insbesondere europäische Exportsektoren wie Maschinenbau, Fahrzeug- und Zulieferindustrie, chemische Produkte sowie pharmazeutische Erzeugnisse. Indonesien gilt mit rund 280 Millionen Einwohnern als größte Volkswirtschaft Südostasiens und zählt zu den dynamisch wachsenden Märkten der Region. Das Abkommen soll daher zusätzliche Handels- und Investitionsströme zwischen beiden Wirtschaftsräumen fördern. Für österreichische Unternehmen ergeben sich insbesondere Chancen im Maschinen- und Anlagenbau, in der Umwelt- und Energietechnologie sowie in Infrastruktur- und Industrieprojekten.
Australien
Nach acht Jahren konnte am 24. März 2026 der Verhandlungsabschluss eines Freihandelsabkommens der EU mit Australien verkündet werden. Es wird erwartet, dass die EU-Ausfuhren in den nächsten zehn Jahren um bis zu 33 Prozent steigen und jährlich bis zu rund 18 Milliarden Euro erreichen werden. Zu den Schlüsselsektoren mit starkem Wachstumspotenzial zählen Milchprodukte, Kraftfahrzeuge und Chemikalien. Österreichische Unternehmen würden in den Branchen wie Maschinenbau, Elektro und Elektronik, Fahrzeugindustrie, Pharmazeutika, Kunststoffe, Nahrungsmittel, Massivholz besonders profitieren.
ASEAN
Daneben gibt es mit ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) einen Block, der in den letzten Jahren besonders durch seine dynamischen Wachstumszahlen besticht. ASEAN ist mit den USA und China einer der größten Handelspartner der Europäischen Union (EU) außerhalb Europas und nimmt auch für Österreich immer stärker an Bedeutung zu. Rund 1,9 Prozent des österreichischen Warenhandels entfällt auf diese Region. Dabei kann die österreichische Exportwirtschaft auch von Handelsabkommen der EU mit Vietnam und Singapur profitieren.
Weitere Verhandlungen von Freihandelsabkommen der EU mit Ländern aus der Asien-Pazifik Region finden zurzeit mit den Philippinen (Wiederaufnahme im März 2024), Thailand (seit März 2023) sowie Malaysia (Wiederaufnahme Jänner 2025) statt.
Exportchancen für österreichische Unternehmen
In den letzten Jahren war die weltwirtschaftliche Lage von geopolitischen Unsicherheiten und einer zunehmenden wirtschaftlichen Fragmentierung geprägt, während sich der Asien-Pazifik-Raum als dynamisches Zentrum der Außenwirtschaft etabliert hat. In diesem neuen Umfeld bieten sich zahlreiche neue Exportchancen für österreichische Unternehmen, unter anderem nach China (6,5 Milliarden US-Dollar, entspricht ca. 5,7 Milliarden Euro), Indien (1,2 Milliarden US-Dollar, entspricht ca. 1 Milliarde Euro) und Japan (1,4 Milliarden US-Dollar, entspricht ca. 1,2 Milliarden Euro), sowie Südostasien und Ozeanien (3,9 Milliarden US-Dollar, entspricht ca. 3,4 Milliarden Euro).
Anmerkung: Die Umrechnung basiert auf einem Wechselkurs von 1 US-Dollar zu 0,87 Euro, Stand 16.3.2026.
Neben den wirtschaftlichen Partnerschaften rückt auch die Zusammenarbeit im Bereich der Fachkräfte mit ausgewählten Ländern Asiens in den Vordergrund. In diesem Sinne wurden bereits Fachkräfteabkommen mit den Philippinen (2023) und Indonesien (2024) unterzeichnet, um so dem österreichischen Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Kontakt
Asien und Pazifik: asien-pazifik@bmwet.gv.at