OECD-Webinar "Diversifying Apprenticeship: Learners, Employers and Sectors"
Lehrlingsausbildungen sind ein wichtiger Bestandteil zukunftsfähiger Qualifizierungssysteme. Sie bieten Lernenden zahlreiche Möglichkeiten, ihre beruflichen Fähigkeiten am Arbeitsplatz weiterzuentwickeln und stellen eine attraktive Alternative zu den typischen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten im Klassenzimmer dar. Auch für die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber hat die Lehrlingsausbildung viele Vorteile, da sie ihnen hilft, Arbeitskräfte mit den richtigen Qualifikationen zu gewinnen und zu behalten und so Fachkräftemangel und Mismatches entgegen zu wirken.
Hinweis
Diese Seite wurde am 23. Juni 2023 erstellt.
Der Fokus des OECD-LEED-Webinar am 3. Mai 2023 zum Thema "Diversifying Apprenticeship: Learners, Employers and Sectors" lag auf Herausforderungen in Systemen der dualen Ausbildung mit konkreten Beispielen und Erfahrungen in den USA sowie Norwegen, Irland und der Schweiz.
Lehrlingsausbildungssysteme: Was sind die wichtigsten Herausforderungen in den USA?
Die USA verfügen grundsätzlich über ein gut etabliertes Lehrlingsausbildungssystem. Gleichzeitig werden auch Anstrengungen unternommen, um das System weiter auszubauen und es in Bezug auf berufliche und sektorale Schwerpunkte und das Profil der Lehrlinge zu diversifizieren.
Aktuelle Situation und Herausforderungen in den USA: Die duale Ausbildung ist eine Priorität für die derzeitige US-Regierung. 2021 gab es über 240.000 neue Lehrlinge in fast 30.000 registrierten Ausbildungsprogrammen landesweit. Der Anstieg der Lehrstellenanzahl in den USA ist bemerkenswert. 2021 war die Anzahl der Lehrstellen mehr als doppelt so hoch wie ein Jahrzehnt zuvor. Fast 40 Prozent der Lehrlinge sind zwischen 25 und 35 Jahre alt. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu einigen anderen Ländern, wie z.B. Deutschland und der Schweiz (meistens junge Lernende). Nur 15 Prozent sind 24 Jahre alt oder älter. Der Anteil der weiblichen Lehrlinge ist sehr gering, was auf die berufliche und sektorale Konzentration der Ausbildungsplätze in Traditional Trades zurückzuführen ist.
Einige OECD-Länder haben es geschafft, die Lehrberufe erfolgreich zu diversifizieren und die duale Ausbildung für andere, nicht-traditionelle, Berufe zu öffnen. In der Schweiz ist zum Beispiel eine duale Ausbildung in kommerziellen Bereichen, im Gesundheitswesen, in kulturellen Medien sowie in der IKT möglich. Dies wirkt sich auf das Geschlechtergleichgewicht aus. So liegt der Frauenanteil in Lehrberufen in den USA bei 13 Prozent, in Deutschland bei bis zu 35 Prozent.
Der positive Trend im Zusammenhang mit der steigenden Anzahl der Lehrlinge ist auch in einigen anderen OECD-Ländern zu beobachten. Die Lehrlingsausbildungen unterscheiden sich jedoch in ihrer Dauer und der Art und Weise, wie sie betriebliche und außerbetriebliche Ausbildung kombinieren.
Internationale Best-Practice-Beispiele aus der Schweiz, Irland und Norwegen
Die wichtigsten Lehren aus der Schweiz:
- Einbindung des privaten Sektors und der Unternehmen, damit sich die Lehrlingsausbildung für sie wirtschaftlich lohnt.
- Flexibilität in das System einbauen, aber Transparenz wahren – Fragmentierung vermeiden, gemeinsame Standards sind wichtig.
- Wege zu anderen Teilen des Bildungssystems öffnen. Schließlich sei das Duale System eine Win-Win-Situation für Lernende, da es Jobmöglichkeiten biete, und für Unternehmen, da es qualifizierte Fachkräfte ausbilde, sowie für die Gesellschaft, da es für eine geringe Jugendarbeitslosigkeit sorge.
Die wichtigsten Merkmale der Lehrlingsausbildung in Irland:
- Die Lehrlingsausbildung entwickelt sich zu einer Struktur mit einem der Industrie geführten Konsortien-Modell, bei dem die Industrie ein wichtiger Partner bei der Gestaltung, Anpassung und Förderung der Lehrlingsausbildung ist. Die Industrie ist ein Schlüsselpartner des Ausbildungsprogramms.
- Die Lehrlingsausbildung richtet sich an Post-Secondary-Schulabsolventinnen und Schulabsolventen ab 17 Jahren. Neue Berufsausausbildungen richten sich an alle Altersgruppen, viele von ihnen haben bereits Qualifikationen der Stufe 3 erworben.
- Die Lehrlingsausbildung wird in einen neuen, einheitlichen tertiären Sektor integriert, der Weiterbildung und Ausbildung mit der Hochschulbildung verbindet, von der Einstiegslehrausbildung bis zur Promotion.
Das System der dualen Ausbildung in Norwegen ist von folgenden Elementen geprägt:
- Berufsbildung und Lehrstellen: Anwerbung, Entwicklung und Beibehaltung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Lebenslanges Lernen für Jugendliche und Erwachsene. Mismatch reduzieren. Kostengünstig und flexibel. Alternative zum schulischen Lernen.
- "2+2 duales Modell" und flexiblere Wege: Lernen am Arbeitsplatz; Dezentralisierung; 4 Jahre Lehre (Kombination von Lernen in der Schule und in Unternehmen in den ersten 2 Jahren); Arbeitsvermittlung für lokale Unternehmen und lokale Gemeinschaften.
Ergebnis:
Die berufliche Aus- und Weiterbildung und die Lehrlingsausbildung sind der beste Weg in OECD-Ländern, um den Anforderungen und dem Bedarf an Up- und Reskilling nachzukommen und die Herausforderungen zu bewältigen. Die Zusammenarbeit mit dem Privatsektor stellt sicher, dass die Kompetenzen direkt mit dem Bedarf verknüpft werden. Flexibilität des Systems sei essentiell.